Hauptvorträge - Gesellschaft für Musiktheorie

Louis Olivier) (* Noyon [Picardie ] 1506 [?], ? Ferrara 1538). ...... Um 1771 unternahm Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg, Gründer einer der ältesten ...... der 1787 von der Universität Göttingen zwar "nach ordentlichem Examen", aber ohne ...


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Hauptvorträge
Freitag 06.10.2006 | 10:00 Uhr | Fürstensaal, Platz der Demokratie Sektion I "Musiktheorie und Musikpädagogik" Stefan Rohringer
Musiktheorie und Performativität Nach herkömmlichem Verständnis gelten musiktheoretisch dimensionierte Lehr-
und Lernakte der Reflexion des Verhältnisses von >musikalischer
Wahrnehmung< und >BegriffVerständnis< von Musik beitrage.
Insofern legt Musiktheorie ihr Augenmerk auf die Generierung von >Sinn< und
ist dem >Paradigma des Interpretativen< verpflichtet. Dass
musiktheoretische Reflexion nicht zuletzt zu einem >intensiveren<
Hörerlebnis beitrage, ist in diesem Zusammenhang ein gern gemachter Zusatz.
Das Verständnis von Musiktheorie als hermeneutischer Disziplin bleibt davon
allerdings unberührt. >Intensität< und >Erleben< gehören bei diesem
Sprachgebrauch, nicht anders als >Verstehen< und >SinnBedeutungseffekten< an. Hierdurch findet keine Berücksichtigung (oder aber
wird in >Bedeutung< aufgelöst), was Musik als ephemerste aller Künste im
Besonderen eignet: Performanz. Musiktheoretisches Tun, so scheint es, geht
Momenten des Performativen entweder voraus oder folgt ihnen nach, hat aber
selber keinen Anteil am Ereignischarakter von Kunst. Dieser Befund droht
angesichts des vermehrten Interesse an Phänomen der >Präsenzsinnlichen MusiktheorieImprovisation< oder auch >Interpretationmusikalische AufführungspraxisBedeutung< und >Präsenz< verhalten).
Im Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, ob musiktheoretisches Tun -
beispielhaft als Stilübung und Analyse aufgefasst - nicht nur >vornach<
oder >zur< Musik betrieben werden kann, sondern ihm auch selbst Momente des
Performativen anhaften. Diese Fragestellung sucht nicht Aktualität, schon
gar nicht möchte sie das >Paradigma des Interpretativen< schlicht hinter
sich lassen. Vielmehr gewinnt sie ihre Schärfe und Dringlichkeit angesichts
der in persönlicher Lehr- und Lern-Erfahrung gründenden Einsicht, dass auch
der durch musiktheoretische Reflexion anheim gestellte >Sinn< nicht zu
überzeugen vermag, wenn die Formen seiner Generierung der Dimension der
Performanz entbehren. Stefan Rohringer studierte Schulmusik, Klavier, Tonsatz, Hörerziehung,
Musikwissenschaft und Geschichte in Köln. Er ist Professor für Musiktheorie
an der Hochschule für Musik und Theater München und hat verschiedene
Veröffentlichungen zu musikpädagogischen und musiktheoretischen
Fragestellungen vorgelegt: »Vom metaphorischen Sprechen in der
musiktheoretischen Terminologie«, in: Musiktheorie 4 (2002), »Zum Kyrie aus
Josquin des Prez' Missa L'homme armé sexti toni«, in: Musiktheorie zwischen
Historie und Systematik. 1. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für
Musiktheorie, Dresden 2001 (2004). »Musiktheorie«, in: Neues Lexikon der
Musikpädagogik (2005). Seit 2004 Präsident der Gesellschaft für
Musiktheorie.
Freitag 06.10.2006 | 10:30 Uhr | Fürstensaal, Platz der Demokratie Sektion II "Aesthetische Implikationen der Satzlehre" Markus Jans
In Tönen denken - Über Töne nachdenken und reden Die beiden im Untertitel genannten Tätigkeiten gehören zu den täglichen
Verrichtungen von Musikern, ganz gleich, ob es sich dabei um Interpreten,
Komponistinnen oder Theoretiker handelt. Das unmittelbare musikalische
Handeln, das Improvisieren, Komponieren oder Interpretieren, und das
reflektierende Beschreiben, Analysieren und gegebenenfalls Kodifizieren
basieren auf grundsätzlich verschiedenen Wahrnehmungs- (bzw. "Wahrgebungs-
") weisen. Sie können interaktiv und praktisch gleichzeitig, sie können
aber auch zeitlich versetzt und für sich allein auftreten.
Diese grundsätzliche Differenz der Wahrnehmungsweisen ist ein Hauptproblem
des Theorieunterrichts. Sie ist häufig genug Quelle des Unbehagens für die
Lehrenden, etwa weil sie nicht in Worten erklären können, was der Lernende
verstehen möchte. Sie ist ebenso häufig Quelle des Unmuts und Widerwillens
bei den Lernenden, weil sie zum Beispiel bei Stilübungen trotz Beachtung
aller gegebenen Regeln keine wirklich guten Resultate erzielen.
In meinem Vortrag möchte ich zunächst näher auf die Unterschiede, dann aber
auch auf Vermittlungsmöglichkeiten zwischen den beiden Wahrnehmungsweisen
eingehen. Ich möchte dies tun im Hinblick auf einen konkreten
Unterrichtsgegenstand: den Kontrapunkt in der Vokalpolyphonie des 16.
Jahrhunderts. Markus Jans, geboren 1946, studierte Klavier und Klarinette am
Konservatorium in Luzern, Musiktheorie und Komposition an der Basler
Musikhochschule, und Musikwissenschaft an der Universität Basel. Seit 1972
unterrichtet er Historische Satzlehre an der Schola Cantorum Basiliensis
(Hochschule für Alte Musik), und seit 1979 Geschichte der Musiktheorie an
der Musikhochschule Basel. Seit 1972 Tätigkeit als Chorleiter.
Publikationen in verschiedenen Periodika, u. a. im "Basler Jahrbuch für
Historische Musikpraxis" zu Fragestellungen von Komposition, Theorie und
Analyse im Spannungsfeld zwischen historischem und systematischem Zugang.
Freitag 06.10.2006 | 11:30 Uhr | Fürstensaal, Platz der Demokratie Sektion III "Werkanalyse und Höranalyse" Hartmut Fladt
Werkanalyse und Höranalyse - oder: Es hört doch jeder nur, was er versteht Da sich Werkanalyse und Höranalyse primär auf Artefakte beziehen, die von
einem emphatischen Kunstbegriff getragen sind, sollten das adäquate
Handwerkszeug und das Wissen über Adäquatheitskriterien sowohl systematisch
als auch historisch begründet sein.
Dieser schon hohe Anspruch reicht aber noch nicht, denn in der Regel haben
gelungene Analysen auch einen künstlerischen Aspekt (eine Art Empathie, die
phasenweise einem Nachkomponieren nahe kommen kann). Sie sind daher immer
viel mehr als schlichte Analysen - sie zielen auf Interpretationen ihrer
Gegenstände. Und diese Interpretationen sind meist getragen von einem
Bündel von Werturteilen, über die man sich sehr häufig gar nicht mehr
Rechenschaft ablegt, und die auf einer schwer entwirrbaren Allianz von
methodologischen und ästhetischen Präferenzen beruhen. Mit den eigenen
Präferenzen verantwortlich umgehen, sie sich selbst klar machen, und sie
dann offen legen: das ist eine Forderung, die ich immer wieder auch an mich
selbst stelle.
Auch die Flucht in die scheinbar so abgesicherten Kategorien der
Historizität kann zu ideologischer Verhärtung führen - entscheidend aber
ist der verständige Umgang mit den historischen und den später entwickelten
erkenntnisrelevanten Kategorien. Ich konstatiere ein ausgesprochen
magisches Bewusstsein im Umgang mit den geschichtlich überlieferten
Kategorien aus der Satzlehre, der musikalischen Rhetorik, der Figurenlehre,
der Lehre von den Temperamenten und Affekten, der Melodie- und
Formenlehren. Und ich nenne dieses magische Bewusstsein gern den
Rumpelstilzchen-Effekt: Gefahr benannt - Gefahr gebannt.
Selbstverständlich will ich wissen, in welchen Kategorien ein Johann
Sebastian Bach gedacht, gefühlt, komponiert hat, ich möchte auch meinen
Studierenden vermitteln, wie wichtig es ist, die (kantisch gesprochen)
"Bedingungen der Möglichkeit der Entstehung" als hermeneutische Prämisse zu
rekonstruieren. Aber ich werde nie die Rezeptionsgeschichte ausblenden
können, nie die zahlreichen neuen Erkenntnisse, nie die spezifischen
Hörweisen meiner Gegenwart, die sich ja den vielfältigsten und umwegigsten
neuen Erfahrungen verdanken.
Das alte Lied - das alte Leid: selbstverständlich hören wir alle in den
Kategorien, die wir kennen. "Es hört doch jeder nur, was er versteht" -
die oft zitierte Goethe-Maxime bleibt wahr. Man projiziert in das Gehörte
seine eigenen gespeicherten und gebündelten Erfahrungen hinein, und das
meist unhinterfragt. Man ist an seine Vor-Urteile gekettet, ohne es zu
merken. Das hörende Subjekt ist zugleich informationsverarbeitend und
informationsschaffend. Jede Hör-Analyse ist gleichzeitig auch eine
bewusstseinsgeleitete, bisweilen sogar unbewusste Konstruktion ihres
gehörten Gegenstandes.
Das Staunen des Hörerlebnisses, diese Unmittelbarkeit, die wirklich als ein
spontan Unmittelbares erscheint - das ist eine Qualität, die in der
notwendig distanzierten Textanalyse weitestgehend ausgeschaltet ist.
Natürlich wissen wir, dass grundsätzlich niemals eine
Voraussetzungslosigkeit des "Erlebnishörens" gegeben sein kann. Aber das
reale Erleben von scheinbarer Voraussetzungslosigkeit, sozusagen wider
besseres Wissen, das Erstaunen über eine Unmittelbarkeit, die sich bei
kognitivem Überprüfen dann als "zweite Unmittelbarkeit" im Sinne Hegels
herausstellt, das gehört - für mich - zum Wunderbaren jeder Kunst.
Umfassendes analytisch-hörana
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